Agentur für Arbeit und Hartz IV

Veröffentlicht von ANONYM am 29.04.2013

Ich war 30 Jahre Arbeitsvermittler bei der Agentur für Arbeit im Reha/SB Bereich und habe die Anfänge von HartzIV aus dieser Sicht mitgekommen. Zu dieser Zeit waren ca. 3000 Menschen im Amt arbeitslos gemeldet. Die Politiker sprachen von FÖRDERN und FORDERN. Viele meiner Bewerber-/innen hatten Angst vor den Neuerungen im Jahr 2005. Der Großteil der Bewerber-/innen war über 50 J., oder unter 25 J. + unqualifiziert. Der Arbeitsmarkt bot diesen Menschen keine Perspektive. Über viele Jahre hatten diese Menschen mit dem Arbeitsmarktinstrument ABM überlebt. 1-2 Jahre Beschäftigung zu tariflichen Bedingungen und dann wieder hoffen auf die nächste Chance. Typische Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen waren durch den Wandel in unserer Arbeitswelt weggefallen. Der tertiäre Wirtschaftssektor verlangte nach belastbaren und jungen Arbeitskräften. Hier war kein Platz für leistungseingeschränkte Menschen. Alternativen waren nicht vorhanden, es gab nur sinnlose Kurse > wie Bewerbertraining. Die Führungskräfte der Agentur für Arbeit waren überfordert. Sie waren nur bemüht, die entsprechenden Vorgaben/Zahlen zu erfüllen. Die Angst der Menschen war nicht interessant. Der Druck der auf den Mitarbeitern lastete, wurde nicht wahrgenommen. Ich habe mehrfach um Coaching, Supervision, um aktive Hilfen gebeten. Meine Schreiben wurden nicht beantwortet. Die Vermittlungsmöglichkeiten tendierten aufgrund der Wirtschaftslage gegen Null. Diese Arbeit war der pure Frust! Die Hoffnung der Menschen, klammerten sich jedoch an den Arbeitsvermittler. Sie wollten und wollen ARBEITEN > Sie wollten am gesellschaftlichen Leben TEILHABEN. Ihr eigenes und selbstbestimmtes Leben führen. Aus diesem Grunde habe ich mit Freunden 1997 einen gemeinnützigen Verein gegründet, um Menschen über 50+ eine Chance auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu geben. Zahlreiche Arbeitnehmer-/innen konnten hierdurch die Zeit bis zur Rente überbrücken. Hierüber war mein Dienstherr informiert. Es gibt sinnvolle Arbeit in unserer Gesellschaft. Die Menschen erlangen hierdurch Wertschätzung und haben das Gefühl der gesellschaftlichen TEILHABE. Aktuell arbeiten noch 2 Menschen in dem Verein. Mein Dienstherr will von der tolerierten Vereinsarbeit nichts mehr wissen und hat mich suspendiert.