Aufstocker

Veröffentlicht von ANONYM am 22.05.2013

Ich bin Mutter von einem erwachsenen Sohn, der studiert, und einem 12jährigen Sohn, der aufs Gymnasium geht. Ich arbeite, um das mal vorweg zu nehmen. Ich arbeite bis zu zehn Stunden täglich, als freiberuflicher Werbetexter. Zusätzlich bin ich mindestens vier Tage im Monat ehrenamtlich tätig (meistens sonntags) und betreue als Klinikclown kranke Kinder und behinderte Menschen. Ich bin alleinerziehend und bekomme keinen Unterhalt für mein Kind. Würde der Erzeuger zahlen, bräuchten wir kein HartzIV, sondern maximal Wohngeld. So jedoch muss ich mich in die große Schar der Geringverdiener einreihen, die von ihrer Arbeit nicht leben können und förmlich um jeden zusätzlichen Cent betteln müssen. Nun habe ich zum Glück im Amt Mitarbeiter, die mich weitestgehend mit Maßnahmen in Ruhe lassen, auch wenn gelegentlich Äußerungen kommen, wie *Na, so richtig davon leben können Sie aber nicht. Wenn das nicht besser wird, müssen Sie Ihr Gewerbe wieder abmelden.* etc. Dennoch oder gerade deswegen ist die halbjährliche Abrechnung jedesmal ein Krampf und beschert mir Herzrasen und graue Haare. Ich habe alle sechs Monate das Gefühl, mich komplett nackig machen zu müssen. Mein Konto wird unter die Lupe genommen, jeder Pups wird gegengerechnet. Im Gegenzug werden Fahrt-, Strom- und Internetkosten, die ich zum Arbeiten brauche, nicht anerkannt. Der Hammer ist der Umgang mit der Aufwandentschädigung für mein Ehrenamt - diese Summe (ca. 70 € monatlich) wird mir komplett als Einkommen angerechnet, obwohl davon Fahrtkosten, Kostüme. Luftballons und Equipment bezahlt werden müssen. Auch unsere Wohnung soll mit 63 m² zu groß und zu teuer sein und ich soll seit knapp einem Jahr gefälligst umziehen. Ich zahle 400 € Warmmiete. Die Differenz zu den bewilligten 360 € trage ich selbst (40 € = 480 € im Jahr) und spare wo ich nur kann. Nun habe ich letztens aufgrund meines Sparverhaltens 120 € Nebenkosten zurückbekommen. Dreimal dürft Ihr raten - dieses Geld wurden mir als Einkommen von meinem Aufstockerbetrag abgezogen! Mal davon abgesehen, dass die Wiederbewilligung jedesmal bis zu vier Monate dauert und deshalb die GEZ meine Befreiungsanträge nicht anerkennt, habe ich nicht nur monatelang kaum Geld zur Verfügung, was ohne meine alten Eltern unser Untergang wäre, sondern inzwischen 500 € Schulden bei der GEZ, obwohl ich eigentlich befreit bin. Es interessiert keine Sau! Letzte Woche wurde mir deswegen ein Haftbefehl zugestellt. Vielleicht sollte ich echt mal Urlaub auf Staatskosten machen - denn einen Urlaub hatten wir ebenfalls seit zehn Jahren nicht mehr. Doch wohin dann mit meinem Kind? Bin ich dann vorbestraft wegen unverschuldeter GEZ-Schulden? Sollte ich vielleicht auf meine *betreuende* Mitarbeiterin hören, die meint, dass ich komplett auf HartzIV stressfreier leben würde?! Nur blöd: Ich arbeite gern und gut. Gebt mir einen Job, bei dem ich 1.500 € netto verdiene und ich lasse meine freiberufliche Tätigkeit sausen. Drunter braucht mir kein *Arbeitgeber* zu kommen, denn das habe ich jetzt auch.