Eine einmalige Erfahrung in NRW

Veröffentlicht von ANONYM am 27.05.2013

Anfang November 2009 war ich gezwungen für meinen Handwerksbetrieb einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Dortmund zu stellen. Der Insolvenzgutachter kam, gab an was er für Unterlagen benötigt und riet mir beim Jobcenter einen Termin zu machen. Da ich den Betrieb nach dem Tod meines Vaters plötzlich übernehmen musste, war ich klassischer Einzelunternehmer und fiel direkt in HartzIV. Was ich dort erlebte war der Hammer: Zunächst bekam ich einen riesen Laufzettel mit den erforderlichen Unterlagen. Als ich den ersten Termin bei meinem Fallmanager, nennen wir ihn mal Hirte, hatte, hing an jeder Flurtür ein Plakat: *Klopfen Sie nicht an - wenn Sie einen Termin haben holen wir sie rein.* Nach 15 Minuten habe ich geklopft, 5 Minuten später wieder, beim dritten mal kam ein anderer Kunde vorbei *Hör ma - direkt aufdrücken - sonst passiert nichts* - Tür geöffnet, der junge Mann nahm die Füße vom Tisch, der Monitor wurde dunkel und mir schallte ein empörtes *Was wollen sie ?!* entgegen. Auf meine Antwort - mein Name ist xy und ich dachte wir haben um 11 Uhr einen Termin, bekam ich dann ein *Aha - ich stelle fest sie erscheinen zu spät! Warten sie draussen!* zu hören. Später machte der weiter den Molly mit mir *Guten Tag, ich bin hier weil ... Interessiert mich nicht - ich bekomme jetzt den Beleg und den Beleg von ihnen ...* Mehrere Belege fehlten, da sie beim Insolvenzgutachter waren. Dafür hatte ich aber Ersatz bestellt und die Kopien der Anträge zum Beleg dabei. Wieder *Sie erscheinen gleich beim ersten mal zu spät und mit unvollständigen Unterlagen!*. Da habe ich mein Handy rausgeholt und gewählt - als er fragte wen ich denn jetzt allen ernstes anrufen wolle, sagte ich Dr.jur. yz - den Insolvenzgutachter - der kann ihnen sicherlich erklären, warum ich das eine oder andere nicht haben kann. Wollte er dann auch nicht ... Eine spätere lustige Eskapade war es, als er 2 Tage vor Weihnachten von mir einen *Nachweis über die Einnahmen als Richter (Arbeitgebervertreter)- ansonsten über die Niederlegung des Amtes* verlangte. Ich hatte ihm zuvor irgendwann einen Hinweis gegeben, dass er meine Bezüge über meine kommunalpolitische, ehrenamtliche Tätigkeit gar nicht pfänden darf, da sie als Aufwandsentschädigung nicht dem SGB II unterliegen. Auf seine Antwort ich solle nicht so Klugschei... und woher ich das wissen wollte, erlärte ich ihm, dass ich seit inzwischen 5 Jahren ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht in Dortmund bin. Da wollte er ernsthaft den vorgenannten Nachweis über meine Einkünfte haben. Lustigerweise hatte ich bei meinen 2 Terminen im Jahr gar keinen Ersatz meines Aufwandes verlangt - doch der Vizepräsident vom Soz.-Gerichts fand es so lustig, dass er dem Mann eine wenig humorvolle Antwort formulierte ... Nach einigen weiteren Scharmüzteln war es so weit, dass ich 3 Monate lang weder Geld erhalten hatte, noch krankenversichert war - ohne meine Mutter und ihre kleine Rente wäre ich obdachlos gewesen. Dann erhielt ich eine Einladung des Oberbürgermeisters zum Neujahrsempfang der Stadt. Dem schrieb ich dann eine ausführliche Mail. Nicht ganz eine Woche später bekam ich mein Geld, die Miete floss und zwei Wochen später (als das Wetter wieder besser wurde) hatte ich auch wieder einen Job...