Termin für Termin

Veröffentlicht von ANONYM am 29.05.2013

Ich bin jetzt Ende 20, werde demnächst mein Studium beendet haben (Bachelor) und habe noch keinen Job in Aussicht.
Da ich demnächst aus dem BAföG-Bezug fallen werde, war für mich klar: Ich muss wohl oder übel erstmal so einen Antrag auf ALG II bzw. HartzIV stellen... Ich hatte mir das so einfach wie vor ein paar Jahren vorgestellt, als ich nach meiner Berufsausbildung auch kurzzeitig Arbeitslos war und ALG I beantragt hatte. Termin ausmachen, die wichtigsten Unterlagen in Kopie mitbringen, Papiere ausfüllen, kurz sagen, was ich so beruflich vorhabe, 4 Wochen warten und dann zumindest mit etwas Geld für das Nötigste Arbeit suchen.
Falsch gedacht!
Ich rief schon vor einigen Wochen bei der Arbeitsagentur an, um mich arbeitssuchend zu melden, nur für den Fall der Fälle, um ja die Frist einzuhalten, gab brav alle Daten an, auch meine alte *Kundennummer* von vor ein paar Jahren. Dort wurde mir dann gesagt, ich hätte scheinbar noch aus der Zeit vor meinem Studium Restansprüche auf ALG I, da ich ja gearbeitet habe, man würde mir die Papiere zuschicken, die sollte ich einfach ausfüllen und zurück senden, damit wäre dann alles gut und ein Sachbearbeiter würde sich dann mit mir für einen Termin in Verbindung setzen. Überrascht, aber auch erleichtert harrte ich also der Dinge, die da kommen würden.
Keine 30 Minuten später bekam ich einen Anruf von eben dem Mitarbeiter, mit dem ich telefoniert hatte. Er habe sich verrechnet, da sei ein Fehler im Datensatz, der Anspruch sei verjährt, und da der Zeitraum, in dem ich gearbeitet hatte, keine 18 Monaten ohne Unterbrechnung sei, hätte ich also keinen Anspruch. Ich müsse mir einen Termin für einen ALG II-Antrag besorgen. Auf meine Frage, ob er mir nicht einfach so einen Antragsbogen zuschicken könne, wimmelte er mich ab, das könne er nicht, er sei nur für ALG I zuständig, ich solle bei meiner Agentur vor Ort vorsprechen.
Leichter gesagt als getan! Denn weder im Telefonbuch noch im Internet ist eine Telefonnummer zu finden für die hier zuständige Agentur. Aber da diese nicht weit weg von meiner Wohnung ist, dachte ich, ich könnte einfach mal vorbei gehen, mir die notwendigen Papiere abholen, einen Termin an der Info machen und dann wäre das Thema in ein paar Wochen erledigt.
Wieder falsch gedacht!
Gestern morgen, 8 Uhr, kam an und war erstmal fassungslos, denn weder war die Info besetzt noch war irgendwie ausgeschildet, wo ich denn die zuständige Abteilung in diesem dunklen Bau finden könnte. Überall waren die Lichter aus, keine Deckenbeleuchtung, keine offenen Fenster, nichts. Nach 20 Minuten, in denen ich durch menschenleere Flure geirrt war, wurde ich schließlich fündig. Ein Schild, besser gesagt ein DIN-A-4-Blatt, auf das man mit Edding geschrieben hatte, verkündete, ich hätte das Ziel meiner Suche erreicht. Ein langer Tresen, dahinter 2 Mitarbeiter der ARGE, ausser mir sonst niemand. Also ging ich freundlich lächelnd mit meinen Unterlagen in Kopie unter*m Arm und einem *Guten Morgen* auf den Lippen direkt auf den Herrn hinter dem Schalter zu, da die Dame gerade telefonierte. Beide wirkten auf den ersten Blick für mich eher so, wie man sich einen *Klischee-Hartzer* vorstellt. Sie mit langen Dreads, er im karierten Hemd mit Brille, Schnauzer und Schnupftabakresten an der Nase... Doch statt mit *Guten Morgen* oder einem ähnlichen Gruß zu antworten blaffte er mich an *Nummer ziehen!*. Nummer? Was für eine Nummer? Woher? Und vor allem wozu? Ausser mir war doch weit und breit niemand! Aber gut, ich bin ja nicht so, wenn es also hilft. Also trabte ich zum Automat, zog eine Nummer, trabte wieder zurück zum Herrn am Schalter, hielt ihm brav meinen Nummernzetel entgegen... und wurde erneut abgewiesen! *Warten Sie, bis Ihre Nummer dran ist. Da drüben!* Er deutet auf einen unbequem aussehenden, abgewetzten Stuhl neben einer vertrockneten Topfpflanze... Also wartete ich brav weitere 30 Minuten, in denen ich mir geistig Notizen machte. Das wäre eigentlich ein interessantes Thema für meine Bachelor-Thesis, Sozialwissenschaft war ja mein Studienfach... Endlich blinkte meine Nummer, also ging ich zum dritten Mal zu dem Herrn, der mich kritisch über den Rand seiner Brille musterte. *Name?* Ich antwortete, kramte nebenbei in meinen Unterlagen nach meiner alten Kundenkarte, falls er auch meine Nummer wollte. *Sie sind ja gar nicht bei uns gemeldet!*, blaffte er mich wieder an. Ja, deswegen sei ich ja hier, ich müsste einen Antrag auf ALG II bzw. HartzIV stellen. So einfach ginge das nicht, was ich denn glauben würde, wer ich sei. Hatte ich doch gerade gesagt, ich verstand gar nicht, worüber er sich so aufregte. Ich fragte also nach, wo denn das Problem sei, ich würde mich ja hier melden wollen, arbeitssuchend sei ich schon telefonisch seit einer Weile gemeldet, meine Unterlagen hätte ich in Kopie dabei, auch von der Uni, ich könnte also doch gleich loslegen mit dem Antrag, ich würde nur gern die notwendigen Formulare haben wollen. *Ja, dann geben Sie mir mal ihre Exmatrikulationsbescheinigung.* Äh, wie bitte? Hab ich nicht, ich studiere ja noch, werde im September dann fertig sein und sollte ich bis dahin keinen Job haben, dann wäre ich auf ALG II angewiesen. Ich wollte doch nur schon mal den Antrag soweit fertig haben, um das nicht auf den letzten Drücker machen zu müssen, evtl. ohne Geld für mehrere Wochen dazustehen und um notfalls genug Zeit zu haben, notwendige Unterlagen zu besorgen. Ist ja ähnlich bei den BAfäG-Anträgen, lieber zu früh stellen, sicher ist sicher. Meinen Studentenausweiß könnte ich ihm wohl geben, genau wie die Immatrikulationsbescheinigung und den BAföG-Bewilligungsbescheid in Kopie. Ich verstand das Problem immer noch nicht, ich wollte ja nur die Formulare für den Antrag... Wie ich mir das eigentlich vorstellen würde, wurde ich gefragt. Er könne mir die Unterlagen nicht geben ohne einen Exmatrikulationsbescheid. Auf die Frage, warum das nicht ginge, wurde mir mit einem Schniefen, Kopfschütteln und einem Blick geantwortet, als ob ich geistig minderbemittelt sei. Er schob mir ein kleines Heftchen rüber, da würde alles drin stehen. Und ab da wurde ich gekonnt ignoriert. Bis ich etwas lauter wurde, dass ich doch nur die verdammten Formularblätter haben wollte, das sei ja wohl nicht zu viel Arbeit, immerhin müsste er ja nicht mal mit mir reden oder sonst etwas, nur die Dreckspapiere raus rücken, dann würde ich ja schon gehen und er könnte weiter schnupfen, Kaffee trinken oder sonst was tun. *Die kriegen Sie hier nicht, dafür brauchen Sie einen Termin!*, kreifte er dann doch zurück. Ja, dann hätte ich doch gern so einen Termin, um Papiere zu bekommen für einen Antrag, den ich in ein paar Monaten stellen würde. *Das geht nicht. Den Termin können Sie erst machen, wenn Sie die Exmatrikulationspapiere haben, vorher geht das nicht! Da wird Ihnen dann gesagt, welche Unterlagen Sie brauchen und zum nächsten Termin mitbringen müssen, bei dem Sie dann den Antrag ausfüllen müssen. Und jetzt gehen Sie! Oder ich rufen jemanden!*
Wütend, verwirrt und unglaublich frustriert trat ich dann den Rückzug an.

Fassen wir zusammen: Ich brauche eine Bescheinigung, die ich nicht vor Ende meines Studiums im September bekomme, um einen Termin zu vereinbaren, den ich ohne dieses Papier nicht bekomme, an dem mir gesagt wird, welche Unterlagen ich brauche, um bei dem DARAUF FOLGENDEN Termin dann erst den Antrag stellen zu dürfen, vorausgesetzt, ich habe alle erforderlichen Unterlagen.

Das Haus, das Verrückte macht lässt grüßen...